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Bundesverband Schleppen&Schleusen


Den Bundesverbandes Schleppen und Schleusen, genannt schleuser.net, im Rahmen der Verleihung des Lothar-Späth-Preises präsentieren zu können, war für uns von ganz besonderem Reiz, da sich der Bundesverband so harmonisch in die Reihe erfolgreicher Wirtschaftsunternehmen einreihen lässt.

Als Verband der Wirtschaft mit dem Motto ‚Wir fördern Mobilität!’ verbindet schleuser.net anscheinend widersprüchliche Themenkomplexe.
Zum einen den gleichzeitig symbiotischen und zwiespältigen Nexus von Nationalstaat und neoliberaler Marktorientierung, andererseits die durch Umstrukturierungen auf globaler Ebene ausgelösten Bewegungen.
Der freien Zirkulation von Waren und Daten steht der Versuch von Seiten staatlicher Politik gegenüber, die Bewegung von Menschen zu kontrollieren und reglementieren.

Das Bemühen, bestehende Beziehungen zwischen diesen Feldern zu klären, wurde 2002 mit dem Lothar-Späth Preis gewürdigt. Der Preisstifter betonte in seiner Laudatio explizit die Notwendigkeit, sich mit den Phänomena der Globalisierung zu befassen. Für den Bundesverband Schleppen&Schleusen war dies eine willkommene Gelegenheit, mit Vertretern und Vertreterinnen aus Wirtschaft und Politik über Markt- und Produktsituation seiner Mitglieder zu diskutieren.

Aus Anlass der Preisverleihung stellte schleuser.net die neue Imagekampagne des Bundesverbands zu diesem Themenkomplex vor: Ein Imagevideo sowie eine Plakatserie. Die Plakate setzen sich mit wirtschaftlichen Aspekten des veränderten Berufsbildes von SchlepperInnen und SchleuserInnen auseinander. Hier wäre kurz auf die intensive Zusammenarbeit des Bundesverbandes Schleppen&Schleusen mit der Arbeitsgemeinschaft Undokumentierter Reisemarkt (AUR) hinzuweisen, auf deren Rechercheergebnissen die Inhalte der Kampagne basieren.
So wurden z.B. 1998 TaxifahrerInnen wegen Schleusertätigkeit in Musterprozessen rechtskräftig verurteilt. Sie hätten nach Auffassung von Staatsanwaltschaft und Gericht vor Antritt der Fahrt eine Identitätskontrolle ihrer “auffälligen” Fahrgäste durchführen müssen, wozu sie rechtlich gar nicht legitimiert sind.

Wieso soll ich als Taxifahrerin die Identität meiner Fahrgäste prüfen? Das ist wirklich nicht mein Job. Es geht doch um den Kunden!
(Slogan aus der Imagekampagne)

Selbst Unternehmen, die traditionsgemäß aufs Reisen spezialisiert sind, stehen vor neuen beruflichen Herausforderungen. Wollen sie nicht Gefahr laufen gegen das neue, globalisierte Recht zu verstoßen, müssen sie prüfen für welchen Personenkreis sich welche Passagen überhaupt noch vermarkten lassen.


Kunst trifft Wirtschaft am Münchner Hofgarten
Der Bundesverband Schleppen&Schleusen zieht erfolgreiche Bilanz:


Das Ambiente ist nicht unwichtig, wenn es darum geht, dezent Einfluß zu nehmen. Der Münchner Hofgarten mit seinen historischen Bezügen, der direkten Nähe zu den staatlichen Verwaltungsbehörden oder anderen Lobby- Organisationen wie z.B. dem Wirtschaftsbeirat der Union ist hierfür besonders geeignet.
Deshalb hat schleuser.net die Einladung des Münchner Kunstvereins gerne angenommen, und seine Geschäftsstelle an den Hofgarten verlegt. Vom 24.7.-18.8.2002 arbeitete das Kommunikations-Team im temporären Büro.

Durch die ungewöhnlichen Maßnahme nutzte der Bundesverband die Chance Belange der Wirtschaft stärker in die Öffentlichkeit zu bringen und wir konnten gerade ein Publikum erreichen, dem oft Berührungsängste mit kommerziellen Angeboten nachgesagt wird.
Auch einer der Kuratoren des Münchner Kunstvereins, Sören Grammel, begrüßte das temporäre Büro, weil „es immer von hohem Wert ist, wenn Kunstunternehmen und zukunftsfähige Wirtschaftszweige zusammenarbeiten“. Hier könnten sich Innovationen gegenseitig befruchten.

Im Vordergrund standen: Die Ansprache politischer Entscheidungsträger, wichtiger Multiplikatoren und die Öffentlichkeitsarbeit. Gerade der täglichen Befassung mit der veröffentlichten Meinung und deren Darstellungen des Berufsbildes des Schleusers und Schleppers kommt eine immer größere Bedeutung zu.

Höhepunkt der temporären Geschäftsstelle war der Tag der Offenen Tür am 10.8.2002. Sascha Büttner aus Wiesbaden gewährte einen Blick hinter die Kulissen des neugegründeten Landesverbandes Hessen und des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens ‚Fraport‘. Interessierte konnten sich aus der Fachzeitschrift ‚Der Schlepper‘ des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein informieren und am Büchertisch aktuelle Publikationen kennen lernen. Für die ganze Familie gab es Überraschungen, Wimpel und Würstel und ein kleines nützliches Give-Away.